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Freitag, 5. August 2011

Es gibt Hilfe im Internet!

Geschrieben von: Walter

Ich habe Manuel den Link zu diesem neuen Projekt einer psychologischen Unterstützung von pflegenden Angehörigen gegeben:  Pflegen-und-Leben.de
Manuel hat dieses Online-Hilfsangebot zur psychologischen Unterstützung inzwischen genutzt.
Die Rückmeldungen von ihm sind ermutigend.

Ich kann nun hier keine Details dieses Schriftwechsels veröffentlichen, dazu ist so eine psychologische Beratung zu fragil, aber die Kernaussage von Manuel möchte ich hier doch niederlegen:
Mein Gefühl der Ohnmacht, das bleibt, resultiert aus der Erkenntnis,
daß ich zeitweilig wie Don Quichotte mit einem Pflegesystem rangele,
das vom Ansatz her gut und sinnvoll ist, in der Praxis aber oft sinnlos,
unmenschlich, und unbeweglich.
Es ist ein Gefühl, als sähe ich bei einem Schiffsuntergang zu.
Ich kann nicht schwimmen, aber ich weiß ganz genau, welche
Rettungsmaßnahmen
einzuleiten sind und erhalte auch zahlreiche
Hinweise, was ich noch zur Rettung tun könnte.
Nur, bis die Retter endlich kommen und gemächlich mit ihren Aktionen beginnen, ist das Schiff längst unter gegangen und die Menschen ertrunken . . .
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Donnerstag, 14. Juli 2011

Depression: Die "erlernte Hoffnungslosigkeit"

.
Gustav weiß noch nicht so recht, was da so in den letzten Monaten im Pflegeheim mit ihm passiert ist.
Er steckt so tief in seiner Depression drin, daß er jegliche Hilfe kategorisch, ja fast aggressiv, ablehnt.
Und seitens der Pflegekräfte wird auch gar nicht erst versucht, ihn in den Rollstuhl zu setzen . . .

In Fachkreisen bezeichnet man seinen Zustand vermutlich als
"erlernte Hilflosigkeit"
Gustav hat halt die Erfahrung gemacht, daß man ihn hier im Pflegeheim nach dem Motto "warm, sauber und satt" pflegt und unter Mobilisierung versteht, daß man ihn für 5 Stunden in den Rollstuhl setzt und in den Gemeinschaftsraum vor den Fernseher schiebt.
Dort darf er dann schmoren.
Und wenn er dann versucht, irgendwie alleine in sein Bett zu kommen, dann fällt er auf die Schnauze und hat dieselbe voll!
Danach ist er dann "pflegeheimgerecht" konditioniert.

Nein, Gustav ist nicht in Österreich.
Aber der Link zu der österreichischen Seite paßt.
Dem Inhalt nach könnte diese Seite auch in Deutschland geschrieben worden sein.

Wir retten da mit unserer hochmodernen Apparatemedizin Leben um jeden Preis, um dieses Leben dann gewinnbringend in einem Pflegeheim verkümmern und dahin siechen zu lassen?

Donnerstag, 14. April 2011

Gustav resigniert.

Geschrieben von: Walter

Meinem Beitrag vom 2. März ist nichts hinzu zu fügen.
Gustav ist nur noch schläfrig und übellaunig.
Zeitweilig verweigert er seine Mahlzeiten.
Und den Rest des Tages verschläft er oder schaut sich lustlos irgend einen Fernsehschmarren an.

Auch das Absetzen des Antidepressivums Mirtazapin und der Ersatz mit einem fachgerecht ausgewählten Präparat hat bisher keine Änderung gebracht.
Angeblich ist da zwar irgendwo eine Neurologe im Anmarsch, aber gesichtet wurde er noch nicht.

Ich würde mich nicht wundern, wenn dem Manuel irgendwann der Kragen platzt . . . neulich fragte er mich in einem frustrierten Ton, wo man denn so ein paar Handgranaten oder eine Bazooka bekommen könnte . . .

Dienstag, 5. April 2011

Verdrängung der Realität nach dem Schlaganfall

Geschrieben von: Walter

Es soll nunmal Menschen geben,
die lieber in ihre eigene Welt flüchten,
als sich der Wahrheit der Realität zu stellen.
Erstaunlich ist es erst, 
wenn sie es dabei schaffen sich einzureden,
dass sie damit glücklich sind.

Quelle: Sunnyfunny, 26.03.2011, Spiegel-Forum 
http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=7491808#post7491808


Ja, auch Gustav ist ein Meister im Verdrängen der Realität.
Er hat sich eingerichtet im Hier und Jetzt.
Sein täglich Brot ist das Fernsehen.
Anstrengen . . . wofür?
Alles ist doch eh "Sense" - oder?


Siehe auch: Depressionen und Schlaganfall

Dienstag, 15. März 2011

"Altenheimgerechtes" Antidepressivum?

Geschrieben von: Walter


Nein, ich kann noch immer nicht so recht glauben, daß es noch so etwas gibt.
Aber Manuel erzählte mir recht glaubhaft, daß sein Bruder so etwas gegen seine Depression bekomme.
Wenn ich die einschlägigen Berichte über das Medikament so richtig verstanden habe, dann kann das Präparat "Mirtazapin" recht gut zur Ruhigstellung eines Pfleglings eingesetzt werden.
Unter der Rubrik "Wirkprinzip" lautet der letzte Satz im ersten Absatz des betreffenden Artikels in der Wikipedia:
"Letztlich sorgt die ausgeprägte Hemmwirkung auf den H1-Rezeptor für die stark sedierenden Eigenschaften von Mirtazapin."

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mirtazapin
Nein, ich wollte nicht so recht glauben, was Manuel mir da so erzählte und habe heute selbst nachgeschaut.
Aber da war nichts übertrieben.

Gustav hatte zwar seinen Fernseher an, obwohl es erst kurz vor zehn Uhr war, aber er schien zu schlafen.
Als ich ihn ansprach antwortete er mir recht schläfrig mit: "So früh?"
Ich fragte ihn dann, ob er heute in den Rollstuhl möchte und erhielt fast erwartungsgemäß die Antwort: "Nee, heute nich."

Mann, der Junge braucht kein Schlafmittel mit dem er dann ohne Depressionen ruhig träumen kann. Der alte Knabe braucht einen Muntermacher, der ihn seine Depressionen verarbeiten läßt und in dazu bringt, freiwillig in den Rollstuhl zu hüpfen!

Ich frage mich, wann da wohl jemand merkt, daß vielleicht so ein Medikament wie "Fluoxetin" aus der Reihe der SSRI-Antidepressiva sinnvoller sein könnte?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Links zum Thema:
http://de.wikipedia.org/wiki/Antidepressiva
http://www.neuro24.de/psychopharmaka.htm

Mittwoch, 2. März 2011

Das Ende vom Lied?

Nachtrag vom 8. April 2011:
Am 13. April wurde von Manuel bemerkt, daß sein Bruder das "Altenheim gerechte" Antidepressivum Mirtazapin bekam.
http://schlaganfall-tagebuch.blogspot.com/2011/03/altenheim-gerechtes-antidepressivum.html
Jetzt wäre einmal nachzuprüfen, seit wann Gustav dieses Zeugs bekam.
Wenn das schon länger so ging, dann erklärt sich der nachfolgende Text im Nachherein.

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Geschrieben von: Walter

Fast einen Monat lang habe ich hier nichts mehr schreiben mögen.
Der Grund?
Es ist das eingetreten, was ich befürchtet habe: Alle werden müde.

Gustav hat sich ein wenig resignierend an seinen Zustand gewöhnt.
"Sense" ist jetzt sein Hauptwort . . . "alles ist Sense . . ."

Und auch seine Brüder, Freunde und Bekannten zeigen immer weniger Aktivitäten.
Auch sein Doktorchen scheint ein wenig zu schlummern . . .
Sollte Gustav nicht schon längst auf Vollkost umgestellt sein?
Nun, das, was er da gestern vorgesetzt bekam, das war alles anderes als ein appetitlich angerichtetes Mittagsmenü . . . Gemüse konnte ich da auch keines entdecken, obwohl davon etwas auf dem Speiseplan stand.

Auch im Rollstuhl habe ich Gustav schon lange nicht mehr gesehen . . .

Wenn da nicht bald jemand aufwacht, dann wird das nichts mehr mit Gustav. :-(

Sonntag, 6. Februar 2011

Wieder ein kleiner Schritt vorwärts

Geschrieben von: Walter

Gustav schien heute im Kopf etwas klarer zu sein.

Er hatte auf Kabel-Deutschland einen alten Western angewählt und an einer Stelle ritten die Banditen dann durch die Wüste. Diese war aber nicht nur sandig-braun, sondern deutlich weiß und ich dachte, daß das Schnee war. Ich sagte das zu Gustav und er meinte: „Nein . . . Anderes.“ Nach einer Weile fügte er noch hinzu: „Salz!“
Der Knabe hatte doch – im Gegensatz zu mir – völlig korrekt erkannt, daß die Banditen da durch eine Salzwüste ritten!

Es ist doch schön zu sehen, daß da bei Gustav immer wieder kleine Fortschritte deutlich werden.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Essen: Ja, Rollstuhl: Nein? Ein feiner Tausch?

Geschrieben von: Walter

Irgendwie verstehe ich die Funktionsabläufe in diesem Pflegeheim, in dem mein Freund Gustav "wohnt" oder besser 'liegt' nicht ganz.

Jetzt darf Gustav zwar im Bett essen und trinken, aber dafür wird er kaum noch in den Rollstuhl gesetzt.
Ich hätte erwartet, daß man den armen Kerl jetzt zum Essen in den Rollstuhl setzt und in den Speisesaal schiebt . . . aber Pustekuchen! Er darf in halb liegender Position im Bett speisen und sich dabei dann auch gerne einmal kräftig verschlucken?
Irgend etwas stimmt hier nicht im Pflegeheim.
Aber ich bin hilflos, denn ich habe nichts zu sagen und nach einer 'Meckerei' seines amtlichen Betreuers ist er von einer Station dieses Pflegeheimes in eine andere Station verfrachtet worden . . . den Grund dafür kenne ich bis heute nicht, ich kann ihn nur erahnen.
Und Manuel fühlt in dieser Angelegenheit anscheinend genauso wie ich.

Hier ist noch ein (leicht anonymisierter) Auszug einer eMail von Manuel:

Jeder Mensch ist ein wenig bequem.
Ein Rollstuhl ist unbequem.
Wenn ein Pflegling dann zum Essen nicht in den Rollstuhl gesetzt werden muß, so spart das dem Pflegepersonal ein wenig Zeit.
Dafür ist dann das oft überlastete Pflegepersonal möglicherweise auch dankbar.

Nur . . .
. . . im Bett verschluckt sich dieser Pflegling regelmäßig beim Essen, auch wenn er fast aufrecht sitzt.

Aber im Rollstuhl, mit leicht nach vorne gesunkenem Kopf, da hat dieser Pflegling zu Weihnachten gezeigt, daß er auch - ohne sich zu verschlucken - essen und trinken kann:

2 Stück Sahnetorte
4 Kekse
1 Tasse Kaffe (aus einer normalen Kaffetasse!)
1 selbstgepulte Mandarine

Und er hat sich nicht ein einziges Mal verschluckt!
Gibt es ein Pflegeprotokoll, aus dem hervorgeht, zu welchen Zeiten Gustav überhaupt in den Rollstuhl gesetzt wird?

Mittwoch, 5. Januar 2011

Endlich ein Ende der künstlichen Ernährung? Erst Pudding dann Bratwurst . . .

Geschrieben von: Walter

Mein lieber Freund Gustav hat wieder eine Hürde genommen!
Er darf richtig essen!
Nun, die Magensonde hat er zwar immer noch zur Sicherheit und dadurch bekommt er noch zusätzlich ein wenig Nahrung und besonders Flüssigkeit. Aber seine Lebensgeister wurden vom Geschmack der noch ungewohnten Nahrung im Munde geweckt. Immerhin hatte er ja fast 7 Monate nichts zwischen die Zähne bekommen.

Bei der ganzen Sache ist nur ein großer Haken dabei:
Auf der sagenhaften Futterei anläßlich der Weihnachtsfeier soll er ja im Rollstuhl gesessen haben . . . jetzt aber bekommt er sein Essen im Bett serviert.
Dabei ist die Körperhaltung eine andere und dadurch verschluckt er sich jetzt auch des Öfteren.

Wenn ich Manuel richtig verstanden habe, dann wird Gustav jetzt auch kaum noch in den Rollstuhl gesetzt.
Warum?
Keiner weiß das so ganz genau und alle sind sie genau so zögerlich wie ich und mögen die Pflegekräfte nicht danach fragen.
Warum?
Vielleicht, weil sie alle sehen, daß die Pflegekräfte ihr Bestes geben und schlichtweg keine Zeit haben, so einen Pflegling zu den Mahlzeiten immer wieder in den Rollstuhl zu setzen?

Ein Glück, daß wenigstens der Hustenreflex bei Gustav funktioniert, denn sonst könnten die Pflegekräfte und auch die Besucher den armen Kerl mit der Futterei im Bett schwer schädigen. Die Stichwörter sind hier Dysphagie und Aspiration

Folglich ist die nächste Hürde zu nehmen:
Gustav muß es auch selbst wollen und fordern, daß er zu den Mahlzeiten in den Rollstuhl kommt.
Aber Gustav hat sich in den letzten 7 Monaten so sehr an das bequeme Bett gewöhnt, daß er die Frage eines Pflegers, ob er denn mal wieder in den Rollstuhl möchte, doch immer noch gerne mit "Nö, heute nicht . . ." beantwortet.
Wer kann es einem überlasteten Pfleger oder einer Pflegerin verdenken, wenn sie ihn dann nicht noch lange dazu überreden?

Hier ist noch ein passendes Video vom ZDF zum Thema Schluckstörungen

Montag, 29. November 2010

Aphasie kann durchaus auch einmal spassig sein.

Geschrieben von: Walter

Es ist schon eine Weile her, daß ich Gustav besucht habe.
In seinem Zimmer lag eine mir völlig fremde Person.
Von einer der Schwestern erfuhr ich dann, daß Gustav in eine andere Abteilung verlegt wurde.
Komisch, Manuel hatte mir nichts davon erzählt . . .

Als ich Gustav fand, bot sich mir ein erbärmlicher Anblick.
Er lag splitterfasernackt in seinem Bett und hatte sich vollgemacht.
Seine Windel lag in Stücke gepult auf dem Fußboden neben dem Bett und sein Bettzeug lag ebenfalls auf dem Fußboden am Bettende.
Mir fiel der Papagei meines Onkels ein.
Der hatte sich vor langer Zeit einmal fast sämtliche Federn ausgerupft und saß da nackt auf seiner Stange im großen Käfig.
Später erfuhr ich dann, daß vereinsamte Papageien oft dieses Verhalten zeigen.

Nachdem Gustav von zwei Pflegerinnen versorgt war und wieder adrett im Bett lag, fragte ich ihn, warum er sich denn die Windel vom Leib pule, aber seine Antworten waren nicht zu verstehen.
Später, als er sich wieder beruhigt hatte, fragte ich ihn: "Du Gustav, ist denn hier auch eine hübsche Krankenschwester?" Seine Antwort kam prompt und recht gut verständlich: "Die kannst Du nicht kriegen." Und nach einer kleinen Pause setzte er noch einen drauf: "Die hab ich schon alle."

Ja, die Wernicke-Aphasie an der Gustav seit seinem Schlaganfall leidet, die hat nicht nur negative Auswirkungen, die kann durchaus auch einmal spaßig sein . . .

Sonntag, 21. November 2010

MRSA: Da kommt kein Logopäde und kein Ergotherapeut

Geschrieben von: Walter

So, man hat mich wieder über die Grenze vom Wendland in den Westen gelassen.
Gustav habe ich noch nicht besuchen können, aber dafür habe ich dann gleich seinen Bruder Manuel angerufen.

Seine Worte mag ich hier nicht wieder geben, er war ganz schön am Fluchen!
Sein Bruder ist in dem Pflegeheim in eine andere Abteilung verlegt worden und dort scheint es nicht besser zu sein, als in der bisherigen Abteilung.

Zweimal habe er ihn hilflos im Rollstuhl angetroffen.
Beide Male hatte Gustav keine Möglichkeit, den Notrufknopf zu erreichen.
Es sah so aus, als wenn man Gustav zum abstellen in sein Zimmer geschoben und ihn dann vergessen hätte.

Auch die so wichtige Nasensalbe gegen die MRSA-Keime hätte man für 4 Tage "vergessen", die zweite Packung lag immer noch in der Orinalverpackung versiegelt auf dem Nachttisch, als er das letzte Mal da war.

Aber solange die Keime da wären komme kein Logopäde und kein Ergotherapeut zur Mobilsation eines solchen Patienten!

Ich hatte Mühe, den sonst so friedlichen Manuel zu beruhigen.
Und ich kann ihn voll verstehen.
Aber so sieht es halt in vielen Pflegeheimen aus, die ja fast alle unter chronischem Personalmangel leiden.

Dienstag, 9. November 2010

Eine kleine Pause . . .

Geschrieben von: Walter

Es gibt nichts Neues zu berichten.
Nicht, weil sich bei Gustav nichts getan hat, sondern weil ich noch hier in Dannenberg festhänge.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Morgen werde ich wohl mit Manuel telefonieren und erfahren, ob sich da bei Gustav etwas getan hat.

Montag, 1. November 2010

Es geht vorwärts aber . . .

Geschrieben von: Walter

Gestern bin ich gleich zweimal bei Gustav gewesen.

Warum?
Weil es wieder einen Riesenschritt vorwärts ging
und weil ich neugierig war, wie Gustav diesen Tag überstanden hatte.

Aufgrund der Zeitumstellung war ich schon früher auf und fuhr gleich nach dem Frühstück zum Pflegeheim.
Gustav lag mit Trainingshose und Oberhemd bekleidet auf seinem Bett und begrüßte mich recht munter.

Und dann kam das Besondere:
Eine resolute Pflegerin hob den Gustav, mit Unterstützung durch eine zweite Kraft, in den Rollstuhl und ich durfte ihn schieben.
Ich solle ruhig mit dem Fahrstuhl runter zum Restaurant fahren und Gustav alles zeigen.

Also machte ich mich auf die Tour durchs Haus.
Im obersten Stockwerk zeigte ich ihm jeden Gang und auch an den jeweiligen Endpunkten die Aussicht nach draußen.
Im Erdgeschoß zeigte ich ihm vom Restaurant aus die davor liegende Sonnen-Terasse und kutschierte ihn auch hier durch sämtliche Gänge und in den Windfang vom Haupteingang.
Nach fast einer dreiviertel Stunde waren wir wieder oben in seinem Bereich.
Gustav war sichtlich beeindruckt aber auch von der Tour geschafft und wollte wieder in sein Bett gebracht werden, weil ihm auch der Bauch etwas schmerzte.
Aber die Pflegerin überredete ihn, doch noch ein wenig im Rollstuhl zu bleiben, damit sie ihn später noch mit einem Joghurt füttern könnte.
Sie kippte das Oberteil des Rollstuhles in eine Art Liegestellung und wollte ihn in den Gemeinschaftsraum schieben, aber Gustav wollte erstmal seine Ruhe haben und beharrte darauf, in seinem Zimmer bleiben zu dürfen.

Das Thema "Joghurt-Fütterung" ließ mir keine Ruhe und so zog es mich am späten Nachmittag noch einmal zu Gustav ins Pflegeheim.
Ich hatte schon befürchtet, daß man ihn den ganzen Nachmittag im Rollstuhl gelassen hätte, aber nein, er lag ganz friedlich in seinem Bett und schaute sich einen Film auf seinem Ferneher an.
Ja, und dann kam wieder die Pflegerin mit einem neuen Becher Joghurt und fragte ihn, ob er etwas davon essen möchte.
Und ob er das wollte!
Einen halben Becher schaffte er und verschluckte sich auch nur selten, obwohl er recht flach im Bett lag.
Nach einer ganzen Weile schaute Gustav zum Joghurtbecher und bat mich, ihm noch etwas davon zu geben.
Ich achtete darauf, daß sein Kopf beim Füttern schön weit nach rechts gedreht war, damit ihm der Joghurt nicht von selbst nach hinten in den Hals lief . . . aber ob das auch die Pflegekräfte beachten? *)
Ich hätte fast heulen können, als ich ihn da so fütterte und er sich auch nur selten ein wenig verschluckte.

So, und nun erzähle mir noch einmal jemand, daß Gustav dauerhafte Schluckstörungen habe, die man nicht mit Hilfe eines guten Logopäden in den Griff bekommen könnte!

Die zwei handfeste Altenpflegerinnen retteten so doch noch ein wenig das Ansehen des restlichen Pflegepersonals, welches eher den "Dienst nach Vorschrift" absolviert.
Aber auch diese anderen Pflegekräfte muß ich ein wenig in Schutz nehmen:
Wenn ich mir anschaue, wie viele ältere Herrschaften hier in den vielen Zimmern "wohnen", dann muß ich mich wundern, daß die Pflegekräfte ihre Arbeit überhaupt schaffen.
- Da bleibt einfach kaum noch Zeit für die persönliche Betreuung eines einzelnen Pflegefalles.
- Also ist die Ernährung durch die Magensonde die "rationellere" Lösung . . .
- Und auch der Katheter in der Blase paßt in dieses Bild.

Mein bisheriger Eindruck wird immer wieder von den realen Vorkommnissen bestätigt:
In einem Pflegeheim ist eine echte Pflege oder REHA (!) zeitlich kaum möglich,
Pflegeheime erscheinen mir eher wie Aufbewahrungsstätten für alte oder behinderte Menschen
Aber hier bei Gustav, da sollte ja nicht nur die Pflege im Vordergrund stehen, sondern die REHA, die Rehabilitation nach einem schweren Schlaganfall!

~ ~ ~

*) Und noch eine "Kleinigkeit", die es in sich hat:
Schluckstörungen und der richtige Umgang damit
.

Samstag, 30. Oktober 2010

5 Stunden in einem Rutsch - Rollstuhl-Tortur?

Geschrieben von: Walter

Nein, die Erzählungen von Gustav vom Freitag stimmen nicht.
Es war nicht seine erste Rollstuhlfahrt.
Es war seine dritte Tour . . . oder besser Tortur!

Meine Nachfragen bei seinen Betreuern im Pflegeheim ergaben Folgendes:
Am Mittwoch, den 20. Oktober war Gustav zum Erstenmal im Rollstuhl.
Seine Zweite Tour machte er dann am Donnerstag, den 21. Oktober.
Und ganz arglos erzählte man mir, daß Gustav am Freitag sogar runde 5 Stunden im Rollstuhl gesessen habe.

Sein Bruder Manuel erzählte mir dann später, wie er Gustav da im Rollstul 'hängen' sah. Das war im Gemeinschaftszimmer der Etage. Es war so gegen 16 Uhr, Gustav sagte, daß er um 11 Uhr in den Rollstuhl gesetzt wurde.
Der sei ganz fertig gewesen von der langen 'Sitzung' im Rollstuhl und habe ihn gebeten, ihn doch wieder in sein Zimmer zu bringen. Dort habe er fast eine halbe Stunde warten müssen, bis er endlich Pflegekräfte mobilisieren konnte, die seinen Brunder wieder ins Bett brachten.

In dieser Woche scheint er nicht ein einziges mal im Rollstuhl gewesen zu sein.
Dagegen fiel mir auf, daß Gustav recht ruhig - oder besser gesagt apathisch - im Bett lag und kaum zu einem Gespräch zu bewegen war.
Auch seinem Bruder Manuel ist diese seltsame Ruhe von Gustav aufgefallen . . .
Manuel versprach, einmal bei dem behandelnden Arzt nachzufragen, welche Medikamente Gustav denn jetzt überhaupt bekäme und ob da Beruhigungsmittel dabei sind.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Die Mutmachseite für alle, die von einem Schlaganfall betroffen sind.

Geschrieben von: Walter

Ich möchte allen Betroffenen und auch besonders deren Angehörigen
die Blogseiten von STEFFEN MARQUARDT in Plauen
zum Lesen empfehlen.
Mag es am Anfang auch noch so hoffnungslos aussehen,
mag es auch noch so lange dauern,
es gibt fast immer Ein Aufwärts, ein Vorwärts
Mit anderen Worten: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

Wer seinen Blog aufmerksam gelesen hat, der wird sicherlich auch bemerkt haben, daß es nicht nur der unerschütterliche Wille war, der Steffen in den 6 Jahren so weit gebracht hat, sondern daß auch sein Humor ein wesentlicher Bestandteil der Fortschritte war und ist.
Diesen Humor kann man ganz deutlich in seinem Impressum erkennen.
Schaut eimal hinein!

Freitag, 15. Oktober 2010

Auch ein Impressum . . .

Geschrieben von: Walter

Selbstverständlich stehe ich mit beiden Füßen auf dem Boden unseres unvergleichlichen Rechtssystems. Und so, wie es dieses verlangt, erkläre ich hiermit ausdrücklich: Für den Inhalt von Seiten, auf die von dieser Domain aus verwiesen wird, sind ausschließlich die jeweiligen Anbieter verantwortlich. Die Tatsache, daß diese Seiten hier verlinkt sind, bedeutet in keiner Weise, daß der Betreiber dieses Angebots mit den verlinkten Seiten in irgendeiner Weise übereinstimmt. Alles, was dort an verbotenen Dingen geschrieben oder dargestellt wird, ist verabscheuungswürdig, niederträchtig und sollte niemals veröffentlicht werden!
Es ist ein Skandal, daß derartige Sachen veröffentlicht werden. Wenn zu solchem Schmuddelkram hier ein Link besteht, dann möge der Finder ihn bitte hier mit einem Kommentar abgeben, damit er entfernt werden kann.

Fort damit, weg!

- Ratet mal, wo ich diesen Text gefunden habe -
Den Blog von Steffen hab ich natürlich
hier auch irgendwo verlinkt.

Montag, 11. Oktober 2010

Es geht vorwärts. "Die Hoffnung stirbt zuletzt!"

Geschrieben von: Walter

Gestern habe ich Gustav wieder besucht.
(Nur sein Bruder Manuel besucht ihn noch öfter als ich.)
Wie üblich begann unsere Unterhaltung zunächst recht zäh.
Nach einer Weile fragte er mich ganz listig:
"Wie alt bin ich?"
Und, bevor ich zu Wort kommen konnte, beantwortete er sich seine Frage selbst:
"Ich bin 61 Jahre!"
. . .
Irgendwann sagte ich ihm, daß es jetzt bald Zeit wäre, ihn mal probeweise in einen Rollstuhl zu verfrachten, aber er meinte nur:
"Jetzt noch nicht."
Nach einer Weile setzte er hinzu:
"Das geht noch nicht."

Sein nächster Satz war:
"So, jetzt werd ich mal was machen . . . . . . aber nee, das geht doch nicht."
Danach stellte er mir eine Rechenaufgabe:
"Wie viel ist 7 mal 7?"
Meine Antwort mit "49" wollte er nicht akzeptieren, er meinte das wären 77.
Deshalb fragte ich ihn:
"Wie viel ist 3 x 3?"
Seine Antwort kam prompt: "Neun!"

Als Nächstes spielten wir 'Namen'.
Meine Frage nach dem Namen seiner Frau beantwortete er etwas schlitzohrig und mit einem leichten Grinsen mit: "Genau so wie ich."
- Ich hatte vergessen nach dem Vornamen zu fragen . . . und wo er Recht hat, da hat er halt Recht.

Danach meckerte er mit mir.
"Du redest ein Scheiß . . . . . . Das ist Scheiße für mich!"
Und nach einer kleinen Pause:
"Aber manchmal bin ich auch froh."
~ ~ ~
Ja, so ein Schlaganfall kann einen ganz schön aus der Bahn werfen!
Aber es geht mit Gustav auch gaaanz laaangsam, Schritt für Schritt vorwärts.
Schon beim Betreten seines Zimmers fiel mir auf, daß da keine Flocken von seiner Pampers auf dem Fußboden herum lagen.
Gustav war in eine Art von Overall eingepackt; so ein Zwischending von 'Strampler' und Pullover mit langer Unterhose.
Die hauptverantwortliche Pflegekraft bat mich, noch 4 solcher Overalls zu besorgen, weil diese ideal für Gustav wären. Dann könne er auch nicht mehr so sehr am Schlauch seiner Magensonde an deren Eintritt in die Bauchdecke herumfummeln.
(Gustav hatte ja schon mehrfach versucht, sich "das Ding" aus dem Körper heraus zu ziehen.)
Erst am nächsten Tag habe ich herausbekommen, daß das eine Spezial-Unterwäsche für inkontinente und besonders unruhige Patienten ist.
Vier lange Reißverschlüsse erleichtern auch das Auswechseln von Windeln und die nachfolgende Pflege der Haut.
Aber der edle Spender dieses Overalls war bisher nicht festzustellen.
Soweit ich gehört habe, sagte sein Betreuer zu, daß er 4 weitere Anzüge dieser Art nachbestellen werde.

Ja, es geht immer einen, wenn auch nur klitzekleinen, Schritt vorwärts!

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Eine erste richtige Unterhaltung mit Gustav

Geschrieben von: Walter

6. Oktober 2010
Heute gab es fast eine richtige Unterhaltung mit Gustav.
Aber es fing mühsam an.
Als ich in sein Zimmer kam, da lag er mal wieder ohne Windel da und zeigte sich, wie der Liebe Gott ihn geschaffen hat. Ich versuchte, ihn noch einmal dazu zu bewegen, den Unsinn sein zu lassen, da diese unappetitliche Pulerei mit der Windel auch für das Pflegepersonal eine unzumutbare Belastung wäre . . . aber Gustav wurde nur grantig.
Die nächsten 25 Minuten verliefen etwas zäh.
Er nahm mir wohl meine Einmischung in Sachen Windel übel.
Sein Gebrabbel war kaum verständlich.
Aber dann, so nach 20 Minuten, da kam er richtig in Fahrt und strengte sich soo an, daß sein Gesicht rot wurde. Er klagte - recht vernehmlich und auch mit einer etwas besseren Aussprache – daß er nicht abschalten kann.
Ist das möglicherweise der Hauptgrund für seine zeitweilige Unruhe und Unduldsamkeit?
Dann kam ein Satz, den ich zwar klar verstanden habe, aber nicht sinnvoll einordnen konnte: „Ma schaun, ich werd das auch selber sehn.“
Und nach einer kleinen Pause kam der Wunsch: „Ich möchte mal in’n Apfel beißen.“
Meine Antwort war: „Du kannst ja noch nicht richtig beißen und schlucken.“
Aber das ließ er nicht gelten und sagte: „Das möchte ich selbst seh'n.“
Ich hatte mir Notizen zu seinem Wortschwall gemacht und las ihm nun das Notierte vor und er sagte: „Genau!“

So langsam verstehe ich das, was Gustav mir sagen will und was er denkt und tut.

Als seine „Astronautennahrung“ alle war und das kleine Gerät unaufhörlich piepste, versuchte Gustav, dieses abzuschalten. Aber mit seiner noch voll beweglichen linken Hand schaffte er das nicht; also tat ich es und Gustav bedankte sich sogar.
Deshalb hatte er sich wohl auch schon zweimal das ganze Gestell mit der Trinkflasche zu sich ins Bett geholt und das Pflegepersonal rätselte, warum er das wohl gemacht hatte.
Des Rätsels Lösung war ganz einfach:
Er wollte einfach seine Ruhe haben.

Jetzt müssen wir nur noch herausbekommen, warum er sich die Windel immer wieder vom Leib pult und das Pflegepersonal mit seiner nackten Herrlichkeit zu erschrecken versucht . . .

Und noch eine kleine Besonderheit:

Wenn man die Tür zu Gustavs Zimmer zu macht, dann protestiert er und macht auch mit seinem Gebrabbel deutlich, daß er diesen Kontakt zur ‚Außenwelt’ will und auch braucht. Da draußen auf dem Flur läuft ja immer mal ein anderes menschliches Wesen herum und das ist auch eine gewisse Abwechslung in seinem täglichen Einerlei.
So ein menschliches Wesen ist doch immer noch etwas Anderes als so ein Fernseher, der da bei ihm in der Zimmerecke seine Bilder produziert.

Dienstag, 28. September 2010

Gustavs Bruder Manuel berichtet

Geschrieben von: Walter

28. September 2010
Manuel, der Bruder von Gustav war brummelig und rückte zunächst nicht mit der Sprache heraus.
Es sei ein recht hektischer Tag gewesen und er sei einfach fertig.
Heute bräuchte er 3 Ouzo und ich sollte ihn dann mit seinem eigenen Wagen nach Hause bringen.
Wie ich dann wieder nach Hause kommen sollte, das war ihm in dem Moment anscheinend egal.

Heute sei es mal wieder recht hektisch gewesen.
Erst hätte er seine Frau und deren Freundin nach Harburg zum Frühstücks-Klönschnack bringen müssen um danach noch ein Paket für Gustavs Frau von der Post am Bahnhof abholen zu dürfen.
Dann sei er zu Gustavs Hausarzt gefahren, um dem die Krankenversicherungskarte von Gustav vorzulegen und hätte bei der Gelegenheit auch noch ein recht wohlwollendes aber nichtssagendes Gespräch mit dem Herrn Doktor gehabt.
Der Herr Doktor würde so alle 14 Tage einmal im Pflegeheim nach Gustav sehen . . .

- Unter REHA stellt sich Manuel etwas Anderes vor. -

Morgen will Manuel bei dem Betreuer anrufen und "Druck machen".
Die Stichworte seien: Logopädie, Bewegungstherapie und auch ein Neurologe muß ran, um zu prüfen, was bei Gustav noch vorhanden ist, wo man dran arbeiten sollte und wo man Abstriche machen muß.

Später hätte er noch eine Tüte mit den T-Shirts für Gustav von dessen Frau abholen müssen, weil die sich nicht aus dem Haus traue und erst dann hätte er es geschafft, auch einmal nach seinem Bruder Gustav zu sehen.
Gustav sei ein wenig schläfrig, mürrisch gewesen und er habe fast kein Wort von dem verstanden, was Gustav so zu sagen versuchte. Er meinte, daß seinem Bruder möglicherweise auch das dunkle Regenwetter auf den Geist geht.

Oh, bevor ich das vergesse . . .
Ich halte hier im Tagebuch nicht jeden Besuch bei Gustav (oder mit seinem Bruder und Freunden) fest, sondern nur jene, von denen ich auch etwas Neues zu berichten habe.
Es gab viele Tage, an denen kein Fortschritt zu sehen war . . . und es wird noch viele solcher Tage geben.

Wir alle werden halt noch viel Geduld haben müssen.

Freitag, 24. September 2010

Ein Gespräch mit seinem Bruder Manuel

Geschrieben von: Walter

24. September 2010
Gustav weiß nichts von diesem Blog . . . und sein Bruder Manuel ahnt wohl nur, daß ich da irgendwo irgendetwas schreibe, weil ich mir bei den Gesprächen mit ihm immer wieder Notizen mache.
Da ist ein Grieche in der Nähe seiner Wohnung.
Es ist die Stammkneipe von Gustav gewesen.
Bei einem Gläschen OUZO schüttet Manuel mir dann sein Herz aus.

Heute berichtete er,

daß er am Vormittag bei Gustavs Frau in der Wohnung ein Treffen mit dem Betreuer von Gustav gehabt habe.
Das Gespräch sei längst überfällig gewesen.
Es wäre zufriedenstellend verlaufen und es konnten etliche irritierende Punkte geklärt werden.
Ich versprach Manuel auch, daß ich Gustav noch am frühen Abend besuchen würde.

Gustav hatte mal wieder seine drolligen 5 Minuten.

Er schaute ein wenig grimmig drein.
Als ich so gegen 19 Uhr in sein Zimmer kam, da fielen mir gleich die vielen weißen Flocken am Fußboden auf.
– Aha, er hatte da wohl mal wieder seine Windel auseinander genommen . . .

Der Pfleger bestätigte, daß Gustav, kaum eine Stunde nachdem man ihn neu gewickelt hatte, sich der Windel wieder entledigt hatte. Und neulich hätte er sogar seinen „Futterbeutel“ samt Ständer zu sich ins Bett gezogen.

Gustav hat auch ein neues Bett bekommen.
Es ist wesentlich niedriger, damit er sich nicht so sehr verletzen kann, wenn er mal wieder herausfallen sollte . . .

Daß Gustav inzwischen geistig recht gut drauf ist, kann man auch daran sehen, daß er darüber meckerte, daß dieses neue Bett etwas schmaler ist als das vorherige. Mir war das zunächst nicht aufgefallen, aber Gustav machte seinen Unmut darüber mit Gebrabbel und Gesten unmissverständlich klar.
Er wollte auch kein Fernsehen schauen und schien recht müde zu sein.
Dann zeigte er auf zwei verschiedene Stellen an der Decke und brabbelte etwas, aber ich verstand ihn nicht.
Irgendwann begriff ich und fragte ihn, ob ich die Lampe über dem Bett ausmachen sollte und er sagte „Ja“.

Irgendwann fragte er mich – mit einem kleinen Anflug von Lächeln im Gesicht –
„Wer bist Du?“
Ich antwortete: „Ich bin dein Bruder - Manuel“
Und Gustav erwiderte recht deutlich und mit einem fast listigen Blick: „Du bist der denkt.“
Da fehlte zwar ein zweites „der“ im Satz, aber der Knabe weiß tatsächlich, wer ich bin.
Irgendwann meinte er dann sinngemäß, daß ich auch die zweite Lampe in der Nähe der Tür ausmachen sollte, wenn ich gehe.
Das war seine Art zu sagen „Ich bin jetzt müde, du kannst wieder gehen und mach bitte das Licht ganz aus.“

Auf dem Flur sprach ich dann noch einmal mit 'seinem' Pfleger und der meinte, daß die MRSA-Keime sich nicht im Genitalbereich sondern in der Umgebung des Eintrittes des Schlauches für die Magensonde (in der Nähe des Bauchnabels) befänden . . . aber vielleicht sind sie ja auch gar nicht mehr da, man müsse mal einen neuen Abstrich machen.
- Ich bin gespannt, wann das wohl geschehen wird und auf wessen Initiative hin.