Geschrieben von: Walter
Ein Besuch am Sonntag.
Manuel hat es mir schon oft beschrieben, heute erlebe ich es hautnah:
Es ist Sonntag, 4 Uhr nachmittags.
Die Zimmertür ist zu.
Ich klopfe und trete ungefragt ein.
Gustav liegt im Bett und schläft.
Der Fernseher ist aus.
Gustav hustet.
Sein Gesicht verzieht sich vor Schmerzen.
Er faßt sich im Schlaf an den Bauch.
Sein Atem geht rasselnd.
Es ist fast jeden Tag das gleiche Bild.
Gustav hat es bis heute nicht begriffen,
daß er nicht halb im Liegen essen oder trinken darf.
Die Pflegekräfte haben es auch noch nicht begriffen ,
daß sie Gustav in eine senkrechte Position setzen müssen,
bevor sie ihm etwas zum Essen oder Trinken geben.
Irgendwann verschluckt er sich sonst . . . und beim nachfolgenden Husten
schmerzt ihn der Bereich um die Magensonde, die man ihm immer noch
im Bauch belassen hat.
Warum quält man den armen Kerl so?
Ist es wirklich so schwer,
ihn zu den Mahlzeiten in den Rollstuhl zu setzen
und an den Tisch zu schieben?
Gustav wacht von dem schmerzhaften Husten auf,
sieht mich und verzieht sein Gesicht zu einem vorsichtigen Grinsen.
Aha, er freut sich, daß ich da bin.
Ich frage ihn, was er zum Mittag gegessen hat und er sagt: "Pampe!"
Aha, er hat also wieder einmal kein festes Essen bekommen, sondern pürierte Kost.
Nach nur knapp 5 Minuten werde ich wieder verabschiedet.
Nein, sagen kann mir Gustav das noch immer nicht so richtig.
Auch seine Gesten und das Gebrabbel sind für Fremde oft noch unverständlich.
Ich soll die Tür zu machen, wenn ich draußen bin, damit er sich wieder in sein depressives Schneckenhaus zurück ziehen kann.
.
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Montag, 15. August 2011
Montag, 7. Februar 2011
Links zum Thema Schlaganfall
Geschrieben von: Walter (am 4. Oktober 2010, zuletzt aktualisiert am 19. März 2011)
Einige andere Blogs und Web-Seiten:
1. Ein sehr anschaulicher Bericht von Ende 2006 bis Heute:
http://www.margy-plauen.de
2. SCHLAGANFALL TAGEBUCH - APOPLEX DIARY
3. Strokeman "Und plötzlich ist alles anders"
4. Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
5. Neurologische Rehabilitation: Digitales Training nach Schlaganfall
Wikipedia - Das Volks-Lexikon - zum Thema Schlaganfall:
Hirnblutung
Schlaganfall
Rehabilitation
Antidepressiva
Medizin-Blog: Motorischer Spracherwerb nach Schlaganfall
Die Suche nach Hilfsangeboten und Informationen
Careum - Pflegemanagement und mehr
Antidepressivum kann *) die Rehabilitation nach einem Schlaganfall verbessern
*) Ja, aber nur, wenn es fachgerecht ausgewählt und eingesetzt wird und von einer stützenden Psychotherapie begleitet wird!
Eine etwas schockierende Betrachtung.
Und eine leicht bittere 'Pille' in einem anderen Google-Blog:
Pflegeheime: Antidepressiva und Schlaftabletten
Einige andere Blogs und Web-Seiten:
1. Ein sehr anschaulicher Bericht von Ende 2006 bis Heute:
http://www.margy-plauen.de
2. SCHLAGANFALL TAGEBUCH - APOPLEX DIARY
3. Strokeman "Und plötzlich ist alles anders"
4. Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
5. Neurologische Rehabilitation: Digitales Training nach Schlaganfall
Wikipedia - Das Volks-Lexikon - zum Thema Schlaganfall:
Hirnblutung
Schlaganfall
Rehabilitation
Antidepressiva
REHA-Möglichkeiten
Medizin-Blog: Motorischer Spracherwerb nach Schlaganfall
Die Suche nach Hilfsangeboten und Informationen
Neurologische Rehabilitation: Digitales Training nach Schlaganfall
Medikamente
Neurologie - Psychiatrie - Psychotherapie:
Medikamente gegen die Angst
und
Grundsätzliches zu Antidepressiva
Medikamente gegen die Angst
und
Grundsätzliches zu Antidepressiva
Was sagt die Wikipedia.de zum Thema Antidepressiva?
Careum - Pflegemanagement und mehr
Antidepressivum kann *) die Rehabilitation nach einem Schlaganfall verbessern
*) Ja, aber nur, wenn es fachgerecht ausgewählt und eingesetzt wird und von einer stützenden Psychotherapie begleitet wird!
Das Problem hinter den Kulissen:
Eine etwas schockierende Betrachtung.
Anmerkungen in der Wikipedia.de zu dem aufrüttelnden Film
aus dem Jahre 2007:
Und eine leicht bittere 'Pille' in einem anderen Google-Blog:
Pflegeheime: Antidepressiva und Schlaftabletten
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Ich hatte einen Schlaganfall . . . vor 7 Monaten
(Mein 'Nicht-Impressum')
Für dieses Tagebuch bin ich verantwortlich.
Eure Kommentare sind willkommen, auch, wenn ihr etwas zu beanstanden habt.
Nein, eine Telefonnummer oder eine eMail-Adresse kann ich euch leider nicht geben. Schreibt einfach einen Kommentar unter diesem Eintrag und ich werde eventuelle Ungereimtheiten unverzüglich klären.
Zum Schutze der hier im Blog genannten Personen habe ich deren Namen und auch den Ort der Handlung entsprechend verschleiert.
Die Gründe dafür sind ganz einfach:
Fast alle Pflegekräfte tun ihr Bestes; ich bin bemüht, ihnen mit meinen Berichten nicht weh zu tun.
Es ist das System, das marode ist und den Pflegekräften keine Zeit gibt, um die Dienste zu erbringen, die uns Alten ein menschenwürdiges Altwerden ermöglichen.
Am 7. Oktober 2010 begann ich dieses Tagebuch.
Nein, eine Telefonnummer oder eine eMail-Adresse kann ich euch leider nicht geben. Schreibt einfach einen Kommentar unter diesem Eintrag und ich werde eventuelle Ungereimtheiten unverzüglich klären.
Zum Schutze der hier im Blog genannten Personen habe ich deren Namen und auch den Ort der Handlung entsprechend verschleiert.
Die Gründe dafür sind ganz einfach:
Fast alle Pflegekräfte tun ihr Bestes; ich bin bemüht, ihnen mit meinen Berichten nicht weh zu tun.
Es ist das System, das marode ist und den Pflegekräften keine Zeit gibt, um die Dienste zu erbringen, die uns Alten ein menschenwürdiges Altwerden ermöglichen.
Am 7. Oktober 2010 begann ich dieses Tagebuch.
Es war der 13. Mai 2010, als mich der Schlaganfall außer Gefecht setzte.
Es war eine schwere Hirnblutung im linken-hinteren Bereich meines Kopfes.
Meine rechte Körperhälfte ist gelähmt, ich habe Schluckstörungen und erhebliche logische Sprachstörungen.
Oh, ich kann schon recht gut sprechen, aber ich weiß nicht, wie ich zum Beispiel das Wort "Gardine" in meinem Gedächtnis finden kann.
Noch kann ich mich auch nicht allein aus dem Bett in den Rollstuhl begeben; dazu brauche ich immer die Hilfe eines recht kräftigen Pflegers, der mich aus dem Bett in den Rollstuhl hebt und später wieder zurück ins Bett bringt.
Und genau dieses Problem der mangelnden Bewegungsfähigkeit ist zur Zeit eines der größten Probleme für mich.
Denn im Bett halb liegend verschlucke ich mich immer wieder, wenn ich einmal etwas essen oder trinken möchte. Deshalb hab ich ja auch immer noch die Magensonde und bekomme zusätzlich meine "Astronauten-Nahrung" aus der Flasche.
Auch beim Sprechen rutscht mir die Zunge durch die halb liegende Position etwas nach hinten in den Rachen und ich spreche dadurch erheblich undeutlicher, als wenn ich im Rollstuhl sitze.
Nach und nach füge ich aus meinen Erinnerungen und aus meinen handschriftlichen Aufzeichnungen das, was ich für lesenswert halte, in diesen Blog ein. Die bisherigen Geschehnisse füge ich unter dem Datum ein, an dem sie geschehen sind. Dadurch erscheinen immer wieder neue Posts in zurückliegenden Bereichen.
Es war eine schwere Hirnblutung im linken-hinteren Bereich meines Kopfes.
Meine rechte Körperhälfte ist gelähmt, ich habe Schluckstörungen und erhebliche logische Sprachstörungen.
Oh, ich kann schon recht gut sprechen, aber ich weiß nicht, wie ich zum Beispiel das Wort "Gardine" in meinem Gedächtnis finden kann.
Noch kann ich mich auch nicht allein aus dem Bett in den Rollstuhl begeben; dazu brauche ich immer die Hilfe eines recht kräftigen Pflegers, der mich aus dem Bett in den Rollstuhl hebt und später wieder zurück ins Bett bringt.
Und genau dieses Problem der mangelnden Bewegungsfähigkeit ist zur Zeit eines der größten Probleme für mich.
Denn im Bett halb liegend verschlucke ich mich immer wieder, wenn ich einmal etwas essen oder trinken möchte. Deshalb hab ich ja auch immer noch die Magensonde und bekomme zusätzlich meine "Astronauten-Nahrung" aus der Flasche.
Auch beim Sprechen rutscht mir die Zunge durch die halb liegende Position etwas nach hinten in den Rachen und ich spreche dadurch erheblich undeutlicher, als wenn ich im Rollstuhl sitze.
Nach und nach füge ich aus meinen Erinnerungen und aus meinen handschriftlichen Aufzeichnungen das, was ich für lesenswert halte, in diesen Blog ein. Die bisherigen Geschehnisse füge ich unter dem Datum ein, an dem sie geschehen sind. Dadurch erscheinen immer wieder neue Posts in zurückliegenden Bereichen.
So, ich habe es geschafft, ich bin mit meinen Texten im Heute angekommen.
Heute, das ist Sonntag, der 17. Oktober 2010
Aber so ganz fertig bin ich mit meinen bisherigen Texten noch nicht . . .
Mir fällt immer noch das eine oder andere Detail aus der Vergangenheit ein.
Nein, ich schreibe diesen Text nicht selbst.
Ich diktiere ihn nicht einmal.
Es ist ein guter Freund, der für mich schreibt.
Warum?
Einfach weil er mein Freund ist und sich des Dilemmas angenommen hat, in dem nicht nur ich mich befinde. Denn nach gut 7 Monaten kann ich noch immer nicht richtig sprechen und schon gar nicht so ein Ding wie meinen Laptop bedienen.
Meine Familie, meine Freunde und Bekannten, alle die mich kennen sind auch in irgendeiner Form von meiner Krankheit betroffen.
Und sie warten alle auf mein tägliches Bulletin . . .
Mein Freund schreibt zeitweilig auch in der "Ich-Form" von mir und für mich.
Ihr könnt es am "Label" und an dem Text "Eingestellt von:" am Fuße des Textes erkennen, aus welcher Sicht da geschrieben wurde.
Den Grund dafür darzulegen ist ein wenig kompliziert.
Vielleicht glaubt mein Freund, daß er sich so besser in mich hineinversetzen kann und mich somit besser versteht?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß Vieles nicht.
Und es sind viele Dinge um mich herum, die ich auch jetzt, nach mehr als 7 Monaten, immer noch nicht verstehe.
Nein, meinen bürgerlichen Namen nenne ich nicht.
Nenne mich einfach Gustav.
Auch der Name meines Freundes, der für mich unter meinem Namen schreibt, der ist unwichtig.
Wer es mag der kann ihn gerne Walter nennen.
Es gibt viele Gründe, die mich und meinen Freund in der Anonymität verweilen lassen.
Ein Grund ist der, daß ich mich sonst vielleicht der Blumen nicht erwehren könnte, die ihr mir vorbei bringen würdet.
Auch Pralinen hätte ich noch nicht so gerne in meiner Nähe . . .
. . . ich werde ja immer noch durch eine Magensonde ernährt.
Oh, bevor ich es vergesse:
Auch auf den realen Ort der Handlungen und auf die korrekten Namen der beteiligten Istitutionen und deren Mitarbeiter könnt ihr euch in meinen Texten nicht verlassen.
- Siehe auch im ersten Absatz dieses Beitrags.
Der Grund?
Nun, meine Aussagen sind Momentaufnahmen, die nur mich betreffen.
Und ich möchte keinem schaden.
So ist es zum Beispiel keinesfalls repräsentativ für ein Pflegeheim, wenn ich hier aus deren Bett gefallen bin.
Es betraf nur mich, und meine Anmerkungen dazu stellen keinesfalls ein Werturteil über dieses Pflegeheim dar.
Aber der Fakt, daß ich bei der ersten Aufnahme in diesem Pflegeheim aus dem Bett gefallen bin und dann mit dem Krankenwagen zur Notaufnahme in das nächste Krankenhaus gefahren wurde, der ist einfach nicht zu leugnen.
Es ist auch gut nachvollziehbar, daß dieser Unfall vermeidbar war und nie hätte passieren dürfen.
Aber die Folgen meines Schlaganfalles hat dieser nachträgliche Unfall weder verschlimmert noch verbessert - so scheint es jedenfalls.
Doch darüber später mehr . . .
So, ich bin jetzt müde . . . bis Morgen!
Montag, 29. November 2010
Aphasie kann durchaus auch einmal spassig sein.
Geschrieben von: Walter
Es ist schon eine Weile her, daß ich Gustav besucht habe.
In seinem Zimmer lag eine mir völlig fremde Person.
Von einer der Schwestern erfuhr ich dann, daß Gustav in eine andere Abteilung verlegt wurde.
Komisch, Manuel hatte mir nichts davon erzählt . . .
Als ich Gustav fand, bot sich mir ein erbärmlicher Anblick.
Er lag splitterfasernackt in seinem Bett und hatte sich vollgemacht.
Seine Windel lag in Stücke gepult auf dem Fußboden neben dem Bett und sein Bettzeug lag ebenfalls auf dem Fußboden am Bettende.
Mir fiel der Papagei meines Onkels ein.
Der hatte sich vor langer Zeit einmal fast sämtliche Federn ausgerupft und saß da nackt auf seiner Stange im großen Käfig.
Später erfuhr ich dann, daß vereinsamte Papageien oft dieses Verhalten zeigen.
Nachdem Gustav von zwei Pflegerinnen versorgt war und wieder adrett im Bett lag, fragte ich ihn, warum er sich denn die Windel vom Leib pule, aber seine Antworten waren nicht zu verstehen.
Später, als er sich wieder beruhigt hatte, fragte ich ihn: "Du Gustav, ist denn hier auch eine hübsche Krankenschwester?" Seine Antwort kam prompt und recht gut verständlich: "Die kannst Du nicht kriegen." Und nach einer kleinen Pause setzte er noch einen drauf: "Die hab ich schon alle."
Ja, die Wernicke-Aphasie an der Gustav seit seinem Schlaganfall leidet, die hat nicht nur negative Auswirkungen, die kann durchaus auch einmal spaßig sein . . .
Es ist schon eine Weile her, daß ich Gustav besucht habe.
In seinem Zimmer lag eine mir völlig fremde Person.
Von einer der Schwestern erfuhr ich dann, daß Gustav in eine andere Abteilung verlegt wurde.
Komisch, Manuel hatte mir nichts davon erzählt . . .
Als ich Gustav fand, bot sich mir ein erbärmlicher Anblick.
Er lag splitterfasernackt in seinem Bett und hatte sich vollgemacht.
Seine Windel lag in Stücke gepult auf dem Fußboden neben dem Bett und sein Bettzeug lag ebenfalls auf dem Fußboden am Bettende.
Mir fiel der Papagei meines Onkels ein.
Der hatte sich vor langer Zeit einmal fast sämtliche Federn ausgerupft und saß da nackt auf seiner Stange im großen Käfig.
Später erfuhr ich dann, daß vereinsamte Papageien oft dieses Verhalten zeigen.
Nachdem Gustav von zwei Pflegerinnen versorgt war und wieder adrett im Bett lag, fragte ich ihn, warum er sich denn die Windel vom Leib pule, aber seine Antworten waren nicht zu verstehen.
Später, als er sich wieder beruhigt hatte, fragte ich ihn: "Du Gustav, ist denn hier auch eine hübsche Krankenschwester?" Seine Antwort kam prompt und recht gut verständlich: "Die kannst Du nicht kriegen." Und nach einer kleinen Pause setzte er noch einen drauf: "Die hab ich schon alle."
Ja, die Wernicke-Aphasie an der Gustav seit seinem Schlaganfall leidet, die hat nicht nur negative Auswirkungen, die kann durchaus auch einmal spaßig sein . . .
Sonntag, 17. Oktober 2010
Kein Schwein und keine Sau interessiert sich für mich!
Geschrieben aus der Sicht von: Gustav
17. Oktober 2010
Wenn ich jetzt laut rufen könnte, dann würde ich schreien:
Kein Schwein kümmert sich um mich,
keine Sau interessiert sich für mich!
REHA?
Hier, im Pflegeheim?
Was ist das?
Seit wann liege ich hier?
Seit dem 16. September 2010!
Und was für ein Datum haben wir heute?
Den 17. Oktober 2010
Das sind 4 volle Wochen gefüllt mit Langeweile, Grübeln und Angst.
Soo lerne ich das Schlucken und Sprechen nie!
Und auch das Rollstuhlfahren nicht!
Warum hilft mir denn keiner?
Einen Logopäden habe ich noch nicht gesehen.
Es ist ja auch viel einfacher, mich mit dem Plastikschlauch über die Magensonde zu ernähren, als mich mühsam mit einem Löffel zu füttern und mir das Schlucken wieder beizubringen!
Mein Bruder versucht mich mit Worten aufzumuntern und auch seine Frau kommt manchmal zu Besuch.
Aber meine eigene Frau hat mich noch nicht ein einziges mal besucht!
Ein Scheiß-Spiel ist das und ich kann noch nicht einmal richtig darüber meckern.
Die verstehen mich ja alle nicht so recht.
17. Oktober 2010
Wenn ich jetzt laut rufen könnte, dann würde ich schreien:
Kein Schwein kümmert sich um mich,
keine Sau interessiert sich für mich!
REHA?
Hier, im Pflegeheim?
Was ist das?
Seit wann liege ich hier?
Seit dem 16. September 2010!
Und was für ein Datum haben wir heute?
Den 17. Oktober 2010
Das sind 4 volle Wochen gefüllt mit Langeweile, Grübeln und Angst.
Soo lerne ich das Schlucken und Sprechen nie!
Und auch das Rollstuhlfahren nicht!
Warum hilft mir denn keiner?
Einen Logopäden habe ich noch nicht gesehen.
Es ist ja auch viel einfacher, mich mit dem Plastikschlauch über die Magensonde zu ernähren, als mich mühsam mit einem Löffel zu füttern und mir das Schlucken wieder beizubringen!
Mein Bruder versucht mich mit Worten aufzumuntern und auch seine Frau kommt manchmal zu Besuch.
Aber meine eigene Frau hat mich noch nicht ein einziges mal besucht!
Ein Scheiß-Spiel ist das und ich kann noch nicht einmal richtig darüber meckern.
Die verstehen mich ja alle nicht so recht.
Mittwoch, 6. Oktober 2010
Eine erste richtige Unterhaltung mit Gustav
Geschrieben von: Walter
6. Oktober 2010
Heute gab es fast eine richtige Unterhaltung mit Gustav.
Aber es fing mühsam an.
Als ich in sein Zimmer kam, da lag er mal wieder ohne Windel da und zeigte sich, wie der Liebe Gott ihn geschaffen hat. Ich versuchte, ihn noch einmal dazu zu bewegen, den Unsinn sein zu lassen, da diese unappetitliche Pulerei mit der Windel auch für das Pflegepersonal eine unzumutbare Belastung wäre . . . aber Gustav wurde nur grantig.
6. Oktober 2010
Heute gab es fast eine richtige Unterhaltung mit Gustav.
Aber es fing mühsam an.
Als ich in sein Zimmer kam, da lag er mal wieder ohne Windel da und zeigte sich, wie der Liebe Gott ihn geschaffen hat. Ich versuchte, ihn noch einmal dazu zu bewegen, den Unsinn sein zu lassen, da diese unappetitliche Pulerei mit der Windel auch für das Pflegepersonal eine unzumutbare Belastung wäre . . . aber Gustav wurde nur grantig.
Die nächsten 25 Minuten verliefen etwas zäh.
Er nahm mir wohl meine Einmischung in Sachen Windel übel.
Sein Gebrabbel war kaum verständlich.
Aber dann, so nach 20 Minuten, da kam er richtig in Fahrt und strengte sich soo an, daß sein Gesicht rot wurde. Er klagte - recht vernehmlich und auch mit einer etwas besseren Aussprache – daß er nicht abschalten kann.
Ist das möglicherweise der Hauptgrund für seine zeitweilige Unruhe und Unduldsamkeit?
Er nahm mir wohl meine Einmischung in Sachen Windel übel.
Sein Gebrabbel war kaum verständlich.
Aber dann, so nach 20 Minuten, da kam er richtig in Fahrt und strengte sich soo an, daß sein Gesicht rot wurde. Er klagte - recht vernehmlich und auch mit einer etwas besseren Aussprache – daß er nicht abschalten kann.
Ist das möglicherweise der Hauptgrund für seine zeitweilige Unruhe und Unduldsamkeit?
Dann kam ein Satz, den ich zwar klar verstanden habe, aber nicht sinnvoll einordnen konnte: „Ma schaun, ich werd das auch selber sehn.“
Und nach einer kleinen Pause kam der Wunsch: „Ich möchte mal in’n Apfel beißen.“
Meine Antwort war: „Du kannst ja noch nicht richtig beißen und schlucken.“
Aber das ließ er nicht gelten und sagte: „Das möchte ich selbst seh'n.“
Und nach einer kleinen Pause kam der Wunsch: „Ich möchte mal in’n Apfel beißen.“
Meine Antwort war: „Du kannst ja noch nicht richtig beißen und schlucken.“
Aber das ließ er nicht gelten und sagte: „Das möchte ich selbst seh'n.“
Ich hatte mir Notizen zu seinem Wortschwall gemacht und las ihm nun das Notierte vor und er sagte: „Genau!“
So langsam verstehe ich das, was Gustav mir sagen will und was er denkt und tut.
Als seine „Astronautennahrung“ alle war und das kleine Gerät unaufhörlich piepste, versuchte Gustav, dieses abzuschalten. Aber mit seiner noch voll beweglichen linken Hand schaffte er das nicht; also tat ich es und Gustav bedankte sich sogar.
Deshalb hatte er sich wohl auch schon zweimal das ganze Gestell mit der Trinkflasche zu sich ins Bett geholt und das Pflegepersonal rätselte, warum er das wohl gemacht hatte.
Des Rätsels Lösung war ganz einfach:
Er wollte einfach seine Ruhe haben.
Deshalb hatte er sich wohl auch schon zweimal das ganze Gestell mit der Trinkflasche zu sich ins Bett geholt und das Pflegepersonal rätselte, warum er das wohl gemacht hatte.
Des Rätsels Lösung war ganz einfach:
Er wollte einfach seine Ruhe haben.
Jetzt müssen wir nur noch herausbekommen, warum er sich die Windel immer wieder vom Leib pult und das Pflegepersonal mit seiner nackten Herrlichkeit zu erschrecken versucht . . .
Und noch eine kleine Besonderheit:
Wenn man die Tür zu Gustavs Zimmer zu macht, dann protestiert er und macht auch mit seinem Gebrabbel deutlich, daß er diesen Kontakt zur ‚Außenwelt’ will und auch braucht. Da draußen auf dem Flur läuft ja immer mal ein anderes menschliches Wesen herum und das ist auch eine gewisse Abwechslung in seinem täglichen Einerlei.
So ein menschliches Wesen ist doch immer noch etwas Anderes als so ein Fernseher, der da bei ihm in der Zimmerecke seine Bilder produziert.
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